Mein Senf zum WhatsApp-(Ver)Kauf

Puh. Noch ein Beitrag zum Kauf von WhatsApp durch Facebook. Gab es doch im Netz schon zu Genüge. Aber manche Sachen müssen einfach raus.

Auch für mich war es im ersten Moment eine riesige Überraschung, als ich diese Woche morgens vom Kauf des Kommunikationsdienstes las. Doch es war absehbar. WhatsApp ist riesig geworden und hat bis jetzt kein Geschäftsmodell gefunden, um den Service weiter zu betreiben. Mit den Abermillionen Nutzern war das Unternehmen ein Big Player ohne wirtschaftlich big zu sein und damit ein geeigneter Übernahmekandidat.

Nun also Facebook und nicht Google, das hier noch im letzten Moment mitgeboten haben soll (und jetzt Threema oder einen anderen Dienst übernehmen wird?!?). Wäre mir auch egal, selbst wenn mir Google sympathischer gewesen bin. Ich bin ja eher Google-Fanboy. Aber Facebook ist mir auch recht. Wie damals beim Instagram-Kauf blieb ich ruhig.

Auf dem sozialen Netzwerk regten sich aber direkt die Stimmen. WhatsApp löschen, hieß es da. Gerade in dem Netz, das hier Käufer war. Bei dem diese User exzessiv posten und dem sie damit Vertrauen schenken. Hier wird der Kauf kritisch gesehen. Habe ich was verpasst?

Ich ließ mich zu einem Pöbelpost hinleiten und erhielt sowohl Zuspruch, als auch Erklärungsversuche. Schließlich wolle man nicht, dass Facebook, wo man so viel Zeit verbringt noch mehr Daten liefern. Noch mehr Daten? Ach so, ja, die Bilder, die man er WhatsApp sendet, die Nachrichten und die Telefonnummer. Schließlich verhalte man sich bei Facebook ja vorsichtig und anonym.

Die Facebook-App lagert trotzdem auf dem Smartphone. Das Ding mit der Telefonnummer, das sich mit allen passenden Daten einfach auslesen lässt. Wobei die Nummer Facebook am wenigsten interessieren dürfte. Wer von uns hat schon Werbeanrufe auf dem Handy erhalten? Kabäääm!

Dann sind es also die Bilder, die man per WhatsApp verschickt und nicht mehr bei Facebook postet. Was für Bilder? Von Partys. Da gibt es von früher noch genügend Bilder. Von der Familie? Was soll Facebook damit anfangen? Erfahren, dass man Vater und Mutter hat? Ach, vom Kind. Warte, da gab es bei Facebook doch ein Geburtsbild des Nachwuchses. Und der Freund und spätere Verlobte wurde schon längst als Ehemann getagged. Weiß Facebook also schon.

Dann also die Nachrichten. Also das belanglose, das auch für Facebook belanglos ist. Dann Termine und Treffen zu Veranstaltungen. Quasi Daten über mich, mit denen Facebook mich mit seiner Onlinewerbung noch besser identifizieren kann. Sicher ein wichtiger Faktor. Aber in der Regel sind im Facebook-Profil bereits die wichtigsten Interesse hinterlegt. Man ist also schon als spezieller User identifiziert. Und selbst wenn nicht. Werbung bekommt man so oder so ausgespielt. Im schlechtesten Fall halt welche, die einen gar nicht interessiert. Im besten etwas, was einem wirklich hilft.

Warum also dann dieses Gezeter? Weil sich die einzelnen User zu wichtig nehmen? Oder einfach, weil alle erstmal meckern? Weil man gar nicht andere Perspektiven wählen kann, um sowas auch mal objektiver zu beurteilen.

Leider geht es den meisten derjenigen, die direkt in den Meckermodus gewechselt sind, tatsächlich um Datenschutz. Also so sehr, dass man etwas daran ändern möchte. Also immer und nicht nur bei so einer Akquisition. Denn warum nutzen sie dann Facebook, selbst wenn sie denken, dass sie dort anonym unterwegs sind. Warum sind sie ohnehin im Internet unterwegs, wo man doch längst weiß, dass man ein gläserner User ist. Ich bin mir sehr sicher, dass die meisten, die sofort losgehypt haben, keinen sicheren Browser nutzen. Im schlechtesten Fall sogar den IE nutzen. In jedem Fall aber Firefox oder Chrome und keinen speziellen, datenschutzrechtlich einwandfreien Browser. Auf dem Smartphone geben sie den meisten Apps sicherlich Zugriff auf ihre Daten und Einstellungen. Kabääääm.

Wer zudem glaubt, dass alle WhatsApp-Daten mit dem Löschen der App von deren Servern verschwindet, der hat das Internet noch immer nicht verstanden.

Es ist wirklich lobenswert, wenn man seine Daten und damit seine Privatsphäre schützen will. Dann aber komplett und rigoros. Dafür muss man dann bereit sein, sich wirklich mit dem Thema zu beschäftigen und seine Möglichkeiten zu recherchieren. Jeden Tag auf’s neue. Und dann auch bereit sein, keine bequemen Lösungen zu wählen (Firefox, iPhone etc.) und Geld in die Hand nehmen. Denn wer kann hohe Datensicherheit fordern, aber nicht bereit sein, dafür richtig zu bezahlen. Und damit meine ich nicht, einmalig ein bis zwei Euro für eine App zu bezahlen. Erinnert Ihr euch noch an die Aufruhr, als es plötzlich hieß, WhatsApp verlange 1 Euro im Jahr…

Ich bin echt gespannt, welche User ich in wenigen Wochen noch immer bei WhatsApp antreffe. Die ersten User, die gemeckert haben, haben mir gestern noch geschrieben… nicht sehr konsequent…